Unternehmensnachfolge in 16356: Wer übernimmt, wenn der Chef in Rente geht?
Tausende gesunde Betriebe finden keinen Nachfolger — auch bei uns im Barnim. Was Inhaber wissen müssen, wer in Brandenburg konkret hilft und warum es sich lohnt, früh anzufangen.
Es ist ein Satz, den man in der Region immer öfter hört: „Eigentlich läuft der Betrieb gut — aber wer macht ihn weiter, wenn ich aufhöre?" Hinter dieser Frage steht eine der größten stillen Herausforderungen für den Mittelstand, auch bei uns zwischen Ahrensfelde und Werneuchen. Gesunde Handwerksbetriebe, eingeführte Dienstleister, profitable Familienunternehmen — und am Ende kein Nachfolger.
Die gute Nachricht vorweg: Es gibt Hilfe, sie ist regional, und vieles davon ist kostenlos. Aber sie funktioniert nur, wenn man früh genug anfängt.
Das Problem ist größer, als die meisten denken
Die Zahlen sind eindeutig. Laut dem KfW Nachfolge-Monitoring streben bis Ende 2029 rund 109.000 mittelständische Unternehmen pro Jahr eine Nachfolge an — 114.000 pro Jahr planen dagegen die Stilllegung. Damit gibt es erstmals einen kleinen Überhang: Es wollen mehr Inhaber schließen als übergeben. Und der Druck wächst mit dem Alter — 57 Prozent der Mittelständler sind inzwischen 55 Jahre oder älter, ein neuer Höchststand; wer konkret übergeben will, ist im Schnitt sogar über 66 Jahre alt.
Der DIHK-Report Unternehmensnachfolge bringt das Kernproblem auf den Punkt: Auf jeden Übernahme-Interessenten kommen rund 2,4 übergabewillige Betriebe. Es gibt also viel mehr Unternehmen, die abgegeben werden sollen, als Menschen, die übernehmen wollen. Besonders betroffen sind Gastgewerbe, Einzelhandel und Verkehr.
Quellen: KfW Nachfolge-Monitoring Mittelstand 2025 (veröffentlicht im Januar 2026) und DIHK-Report zur Unternehmensnachfolge 2025. Beide werden jährlich aktualisiert — wir prüfen die Werte bei jeder Aktualisierung neu.
Für eine Region wie die unsere heißt das konkret: Hinter jedem Betrieb, der keinen Nachfolger findet, stehen Arbeitsplätze, Kundenbeziehungen über Jahrzehnte und ein Stück lokaler Wirtschaftskraft, das verloren geht. Genau deshalb ist Nachfolge ein Thema für den ganzen Verband — nicht nur für den, der gerade darüber nachdenkt aufzuhören.
Die zwei wichtigsten Anlaufstellen
Wer abgeben oder übernehmen will, muss das Rad nicht neu erfinden. Es gibt zwei etablierte, kostenlose Plattformen:
Die Nachfolgezentrale Brandenburg ist das landeseigene Matching-Portal — getragen von den Handwerkskammern, Industrie- und Handelskammern und der Bürgschaftsbank des Landes — darunter die IHK Ostbrandenburg und die Handwerkskammer Frankfurt (Oder), die beide für den Barnim zuständig sind. Registrierung und Beratung sind kostenfrei, der Kontakt läuft diskret über die Kammern.
nexxt-change ist die bundesweite Unternehmensbörse von Bundeswirtschaftsministerium und KfW. Hier inserieren Übergeber und Übernehmer anonym und kostenlos; seit 2006 sind darüber mehr als 22.000 Übergaben angestoßen worden. Wer überregional suchen oder anbieten will, ist hier richtig.
Beide ergänzen sich: die Nachfolgezentrale als regionaler Einstieg mit persönlicher Beratung, nexxt-change als große Bundesbörse.
Sechs Dinge, die jeder Übergeber wissen sollte
1. Fangen Sie früh an — wirklich früh. Fachleute rechnen vom ersten Gedanken bis zur vollzogenen Übergabe mit rund fünf Jahren. Nachfolge ist ein Prozess, kein Stichtag. Wer erst mit 64 anfängt, verschenkt Verhandlungsspielraum und Auswahl.
2. Lassen Sie den Wert ermitteln. Eine realistische Unternehmensbewertung ist die Grundlage für jede Verhandlung — ob in der Familie oder mit Externen. Überhöhte Kaufpreisvorstellungen gelten laut DIHK als häufigste Hürde auf der Verkäuferseite. Die IHK Ostbrandenburg bietet dazu Beratung und Hilfestellung an.
3. Suchen Sie aktiv nach Nachfolgern. Drei Wege sind üblich: die eigene Familie, ein Mitarbeiter (Management-Buy-out) oder ein externer Käufer. Verlassen Sie sich nicht auf Zufall — nutzen Sie Nachfolgezentrale, nexxt-change und die Kammern aktiv.
4. Holen Sie Steuerberater und Notar früh ins Boot. Ob Verkauf, Schenkung oder schrittweise Verpachtung, ob Erbschaft- oder Schenkungsteuer — die rechtlichen und steuerlichen Weichen werden früh gestellt. Pauschalrat gibt es hier nicht; das gehört in fachkundige Hände.
5. Klären Sie die Finanzierung. Auch der Übernehmer muss den Kauf stemmen. Dafür gibt es regionale Hebel: Förderkredite der KfW, Bürgschaften der Bürgschaftsbank Brandenburg und Beratung der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB).
6. Nehmen Sie die emotionale Seite ernst. Ein Lebenswerk loszulassen fällt schwer. Ein gestufter Rückzug — Verantwortung Schritt für Schritt abgeben, Arbeitszeit reduzieren — beugt Konflikten vor, gerade bei der Übergabe innerhalb der Familie.
Und wenn ich übernehmen will?
Die Kehrseite ist eine Chance: Weil es mehr Anbieter als Interessenten gibt, ist die Verhandlungsposition für Übernehmer aktuell gut — besonders in Gastgewerbe, Einzelhandel und Verkehr. Wer einen Betrieb übernehmen möchte, hinterlegt ein Suchprofil bei der Nachfolgezentrale Brandenburg oder nexxt-change, nutzt die kostenlose Erstberatung der Kammern und sichert die Finanzierung über KfW und Bürgschaftsbank ab. Eine bestehende Firma mit Kundenstamm, Mitarbeitern und Ruf zu übernehmen ist oft der solidere Start als eine Gründung bei null.
Unser Angebot als Verband
Unternehmensnachfolge ist genau das, wofür es uns gibt: voneinander lernen, Erfahrung weitergeben, in der Region zusammenarbeiten. Wer im Netzwerk von Unternehmen 16356 über eine Übergabe nachdenkt — oder umgekehrt eine Firma sucht —, findet bei uns Gesprächspartner, die das schon hinter sich haben oder gerade davorstehen. Sprechen Sie uns beim nächsten Stammtisch an.
Konkrete erste Schritte:
- Erstberatung bei der IHK Ostbrandenburg (Regionalcenter Eberswalde ist am nächsten) oder der HWK Frankfurt (Oder) — kostenlos.
- Profil anlegen bei der Nachfolgezentrale Brandenburg und/oder nexxt-change.
- Das Thema bei einem unserer Treffen ansprechen — oft sitzt der passende Gesprächspartner schon mit am Tisch.
Wer früh plant, übergibt sein Lebenswerk in gute Hände — und sichert ein Stück Wirtschaftskraft für die Region 16356.