Viele kennen KI als Chatfenster: Frage rein, Antwort raus. Inzwischen können die Assistenten mehr. Sie suchen im Netz, lesen dein Postfach, halten sich an gespeicherte Arbeitsanweisungen und arbeiten Aufgaben in mehreren Schritten ab. Dann spricht man oft von einem KI-Agenten. Anthropic unterscheidet dabei feste Abläufe von Agenten, die ihren Weg und ihre Werkzeuge selbst steuern (Anthropic, 19.12.2024).
Diese Seite erklärt die Stufen dahin. Stell dir einen neuen Azubi vor, der nach und nach mehr darf. Jede Stufe baut auf der vorigen auf. Alle Angaben zu Funktionen und Tarifen haben den Stand 28.09.2026.
| Stufe | Bild | Was sie bringt | Risiko |
|---|---|---|---|
| Sprachmodell | der Kopf | formuliert, erklärt, fasst zusammen | rät bei Lücken |
| Werkzeuge | die Hände | sucht, rechnet, liest und erzeugt Dateien | sieht nur, was du hochlädst |
| Konnektoren | die Schlüssel | holt selbst aus Mail, Kalender und Ablage | Zugriff auf echte Daten |
| Skills | die Arbeitsmappe | gleiche Anweisung, Vorlage, Prüfliste | ein fremder Skill ist fremde Software |
| Arbeitsmodus | der eigene Schreibtisch | plant, arbeitet ab, liefert Dateien | Fehler können sich fortpflanzen |
Über allem steht der Mensch. Der Auftrag kommt von dir, die Freigabe auch.
Das Sprachmodell
Das Sprachmodell ist der Kopf. Es hat an sehr viel Text gelernt, wie Sätze weitergehen. Daraus antwortet es. Deinen Betrieb, deine Preise und deine Mails kennt es nicht.
- Laut Hilfeseite von OpenAI beruht eine Antwort ohne Suche nur auf dem Gelernten. Dieses Wissen endet an einem Stichtag.
- Dieselbe Hilfeseite sagt: ChatGPT kann sicher klingen, auch wenn es falsch liegt. OpenAI rät, die Antwort als ersten Entwurf zu nutzen und nicht als fertige Quelle.
- Warum Modelle raten: Beim Training und in Tests wird Raten eher belohnt als ein „weiß ich nicht“. Deshalb füllen Modelle Lücken mit etwas, das plausibel klingt (Kalai u. a., 2025, Preprint). Solche erfundenen Angaben heißen Halluzinationen.
Im Azubi-Bild: Der Azubi am Telefon antwortet aus dem Kopf. Deine Preise kennt er nicht. Bei Preisen, Terminen und Namen ist eine plausible Lücke gefährlich.
Wichtig: Das reine Sprachmodell ist ein Denkmodell. Im Chatfenster von heute ist meist schon mehr eingeschaltet. Bei ChatGPT ist die Suche laut OpenAI standardmäßig an. In der neuen Oberfläche von Claude gibt es keinen Suchschalter mehr. Claude sucht dort im Netz, wenn es hilft.
Werkzeuge
Werkzeuge sind die Hände. Dazu gehören Websuche, Dateien lesen, Rechnen mit einem kleinen Programm und Dateien erzeugen, etwa Word, Excel oder PDF.
- OpenAI nennt zwei Werkzeuge ausdrücklich als Hilfe für richtige Antworten: die Suche, weil sie aktuelle Antworten mit Quellen liefert, und das Ausführen von Code, weil damit genau gerechnet wird.
- Laut Hilfeseite von OpenAI hat ChatGPT Free Websuche, Datenanalyse, das Hochladen von Dateien und Bildern und die Bilderzeugung. Die Werkzeuge haben im kostenlosen Tarif engere Grenzen als der Textchat.
- Laut Preisseite von Anthropic kann Claude auch im kostenlosen Tarif im Netz suchen, Dateien erstellen und Code ausführen.
Das hilft auch beim Prüfen. Die bloße Bitte „denk nochmal nach“ hilft oft nicht, manchmal wird das Ergebnis dadurch sogar schlechter (Huang u. a., ICLR 2024). Prüft das Modell dagegen mit Suche oder Code, korrigiert es sich besser (Gou u. a., ICLR 2024). Beide Studien stammen aus 2023 und 2024 und nutzten damalige Modelle.
Im Azubi-Bild: Er bekommt Taschenrechner und Internet. Jetzt rechnet er, statt zu schätzen. Die Grenze: Die Datei musst du selbst hochladen. Das Ergebnis bleibt ein Chatverlauf.
Konnektoren
Konnektoren sind die Schlüssel. Ein Konnektor verbindet die KI mit deinen eigenen Diensten, etwa Gmail, Google Kalender, Google Drive, Outlook oder Teams. Die KI sucht dann selbst in deinen Ablagen, statt dass du Inhalte hineinkopierst.
- Bei ChatGPT und Claude sieht ein Konnektor laut Hilfeseiten beider Anbieter nur, was das verbundene Konto ohnehin sehen darf.
- Bei Claude verweisen die Antworten aus Gmail, Kalender und Drive laut Hilfeseite von Anthropic mit Link auf die benutzten Mails, Termine und Dokumente. So kannst du nachprüfen, woher eine Angabe stammt.
Im Azubi-Bild: Du gibst ihm Schlüssel zum Postfach und zum Aktenschrank. Aber nur die, die er für diese Aufgabe braucht.
Welche Konnektoren es gibt und welche Regeln du vorher festlegst, steht unter Konnektoren.
Skills
Ein Skill ist eine gespeicherte Arbeitsanweisung. Technisch ist es ein Ordner. Darin liegt die Anleitung in einer Datei namens SKILL.md, dazu Vorlagen, Beispiele und Prüflisten. Die KI lädt einen Skill nur, wenn die Aufgabe dazu passt.
- Anthropic vergleicht einen Skill mit einer Einarbeitungsmappe für neue Mitarbeitende. Claude liest zuerst nur Name und Beschreibung und den Rest erst bei Bedarf.
- Der Unterschied zum Projekt laut Anthropic: Ein Projekt liefert Hintergrundwissen, das immer geladen ist. Ein Skill liefert einen Ablauf, der nur bei Bedarf greift. Konnektoren geben Zugang, Skills sagen, wie man ihn nutzt.
- Beide Anbieter versprechen durch Skills gleichmäßigere Ergebnisse. Das ist eine Aussage der Hersteller, nicht unabhängig gemessen.
Wer hat Skills? Laut Hilfe-Center von Anthropic gibt es Skills in allen Claude-Tarifen, auch im kostenlosen. Die Entwicklerdokumentation von Anthropic nennt den kostenlosen Tarif dagegen nicht. Bei ChatGPT nennt die Hilfeseite von OpenAI Skills für Business, Enterprise, Healthcare und Edu. Für Plus sind die Angaben von OpenAI widersprüchlich (Stand 28.09.2026). In Gemini heißt eine gespeicherte Anweisung Gem. Ein Gem besteht aus Anweisungen und Dateien. Laut Google gibt es Gems in Deutschland auch im kostenlosen Tarif. Mehr dazu unter Gemini.
Eine Warnung: Einen Skill behandelst du wie Software. Laut Anthropic kann ein bösartiger Skill die KI Dinge tun lassen, die nicht zu seinem Zweck passen. OpenAI prüft hochgeladene Skills automatisch, schreibt aber, dass das die eigene Prüfung nicht ersetzt. Lies also jeden Skill, bevor du ihn einrichtest.
Im Azubi-Bild: die Arbeitsanweisung in der Mappe, zum Beispiel „So machen wir ein Angebot“, mit Vorlage und Checkliste. Fertige Arbeitsanweisungen zum Herunterladen findest du unter Arbeitsanweisungen.
Arbeitsmodus (Work, Cowork)
Im Arbeitsmodus beschreibst du ein Ergebnis statt einer Frage. Die KI plant, arbeitet mehrere Schritte selbst ab und nutzt dabei Werkzeuge, Konnektoren und Skills. Am Ende liefert sie fertige Dateien. Bei ChatGPT heißt das Work, bei Claude Cowork.
ChatGPT Work
- Laut Hilfeseite von OpenAI ist Work für längere Arbeit in mehreren Schritten mit fertigen Ergebnissen gedacht. Chat ist für schnelle Fragen da.
- Im Web und auf dem Handy gibt es Work laut Release Notes nur in bezahlten Tarifen, nicht in Free und Go.
- Im Web und auf dem Handy läuft Work in der Cloud. In der Desktop-App kann es auch mit Dateien auf deinem Rechner arbeiten. Auch dann können Nachrichten und Aufgabenkontext in der Cloud gespeichert werden.
- Aufgaben können einmal laufen, nach Zeitplan oder bei einem Ereignis wie einer neuen Mail. Braucht eine Aktion eine Freigabe, pausiert die Aufgabe.
- Im Europäischen Wirtschaftsraum fehlen laut OpenAI einzelne Funktionen oder sind eingeschränkt, zum Beispiel Computer Use und Memories.
Claude Cowork
- Laut Hilfeseite von Anthropic macht Claude in Cowork einen Plan, teilt die Arbeit auf, führt Code in einer abgeschotteten Umgebung auf den Servern von Anthropic aus und liefert fertige Dateien.
- Cowork gibt es nur in den bezahlten Tarifen Pro, Max, Team und Enterprise.
- Geplante Aufgaben laufen in der Cloud, auch wenn dein Rechner ausgeschaltet ist.
- Anthropic legt Chat und Cowork gerade zusammen. Bei Pro und Max verschwindet der Schalter „Chat / Cowork“ nach und nach. Claude entscheidet dann selbst, ob eine schnelle Antwort reicht oder eine Aufgabe daraus wird. Zurück zur alten Ansicht kannst du dann nicht.
- In der neuen Oberfläche fragt Claude im Standardmodus „Manuell“ vor jeder Aktion. Vor dem Löschen von Dateien fragt es standardmäßig nach.
Wie ein guter Auftrag aussieht
Beide Anbieter sagen: Nenn das Ergebnis, das du brauchst. OpenAI empfiehlt für Work außerdem die Quellen, die Grenzen, woran man gute Qualität erkennt und wann die KI für eine Freigabe anhalten soll. Anthropic nennt zusätzlich das Format und die Eingaben, die Claude braucht.
Im Azubi-Bild: Er hat einen eigenen Schreibtisch. Er arbeitet den Stapel ab und legt dir eine Mappe hin: „Zur Unterschrift“. Ohne dich geht nichts raus.
Was das für deinen Betrieb heißt
- Jede Stufe bringt mehr Zugriff. Mehr echter Kontext heißt mehr Zugriff auf deine Daten. Damit wird die Freigabe wichtiger.
- Mehr Selbstständigkeit hat einen Preis. Laut Anthropic bedeutet sie höhere Kosten und Fehler, die sich über mehrere Schritte fortpflanzen können (19.12.2024).
- Kontingente. Aufgaben in mehreren Schritten verbrauchen mehr von deinem Nutzungskontingent. Das schreiben OpenAI und Anthropic. Feste Laufzeiten nennen beide nicht.
- Versteckte Anweisungen. Liest die KI Mails oder Webseiten, kann darin Text stehen, der sie umlenken soll. Mehr dazu unter Konnektoren.
- Die Freigabe bleibt bei dir. Entscheidungen mit rechtlicher Wirkung soll nach Art. 22 DSGVO grundsätzlich nicht allein eine Maschine treffen. Der Mensch braucht dabei echten Spielraum, ein bloßes Abnicken reicht nicht (DSK, Rn. 12). Laut Anthropic bist du für alles verantwortlich, was Claude in deinem Namen tut.
- Ein Beleg für Kleinbetriebe fehlt. Wir haben keine unabhängige Studie gefunden, die für kleine Betriebe misst, wie viel besser der Arbeitsmodus ist als der Chat.
- Fang unten an. Auch im Chat kannst du Dateien hochladen und die KI gut anweisen. Den Arbeitsmodus probierst du, wenn du eine Aufgabe regelmäßig und nach festem Ablauf erledigst.
Anthropic gibt für geplante Aufgaben vier Ratschläge. Sie lassen sich auf jeden Arbeitsmodus übertragen: einfach anfangen, keine sensiblen Daten, keine Nachrichten in deinem Namen verschicken lassen, jeden Lauf prüfen.
Wie du mit der ersten Aufgabe anfängst, steht unter Erste Schritte. Was dabei nicht in die KI gehört, steht unter Datenschutz. Die Begriffe findest du kurz erklärt im Glossar.