KI in Deutschland 2026: wo kleine Betriebe stehen

Was amtliche Statistik und Umfragen über die KI-Nutzung kleiner Betriebe in Deutschland sagen, warum die Zahlen so weit auseinanderliegen und was daraus für deinen Betrieb folgt.

Stand 28. September 2026 · Denis Kaliberda

Wie viele Betriebe in Deutschland nutzen KI? Die Antwort hängt davon ab, wen du fragst. Mal ist es ein Viertel, mal mehr als die Hälfte. Diese Seite zeigt, woher die Unterschiede kommen, was die belastbaren Zahlen sagen und wo kleine Betriebe stehen. Jede Zahl nennt Quelle, Zeitraum und wer befragt wurde.

Warum die Zahlen so weit auseinanderliegen

Die Studien messen verschiedene Dinge. Vier Punkte machen den Unterschied.

  • Wer wird gefragt? Das Statistische Bundesamt (Destatis) zählt Unternehmen ab 10 Beschäftigten. Der Digitalverband Bitkom fragt Unternehmen ab 20 Beschäftigten. Die KfW zählt den Mittelstand einschließlich Kleinstbetrieben. Das ifo Institut fragt die Teilnehmer seiner Konjunkturumfrage.
  • Was zählt als Nutzung? Destatis fragt nach konkreten KI-Technologien. Bitkom fragt, ob das Unternehmen KI „einsetzt“. Die KfW fragt nach Nutzung im Zeitraum 2022 bis 2024.
  • Wann wurde gefragt? Die amtlichen Zahlen für 2025 stammen aus den ersten Monaten des Jahres 2025. Die neueste Bitkom-Umfrage lief im Juli und August 2026. Bei der aktuellen Entwicklung macht ein gutes Jahr viel aus.
  • Welche Branchen? Die amtliche Erhebung lässt Finanzdienstleister und das Gesundheitswesen aus. Für Praxen und Pflege gibt es also keine amtliche Zahl.

Deshalb gilt: Zwei Quoten aus verschiedenen Studien stellst du nie direkt gegeneinander. Wenn du Zahlen vergleichst, dann nur innerhalb einer Reihe.

Was die Statistik sagt

Die amtliche Zahl

2025 nutzten 26 % der Unternehmen ab 10 Beschäftigten in Deutschland KI. 2023 waren es 12 %. Das meldet Destatis auf Basis der IKT-Erhebung mit rund 20.000 Unternehmen, die freiwillig teilnehmen. Ein Hinweis zur Vergleichbarkeit: Ab 2025 zählt Destatis nach dem EU-Unternehmensbegriff. Laut Qualitätsbericht sind die Werte ab 2025 deshalb nur bedingt mit den Vorjahren vergleichbar.

Im EU-Vergleich lag der Durchschnitt 2025 bei 20,0 %. Deutschland lag nach den Werten von Eurostat auf Platz 8 von 27 Ländern.

Die amtlichen Zahlen für 2026 sind noch nicht veröffentlicht (Stand 28.09.2026).

Die neueste Verbandsumfrage

Im Sommer 2026 setzten 57 % der Unternehmen ab 20 Beschäftigten KI ein. Befragt hat Bitkom 603 Unternehmen telefonisch, in den Kalenderwochen 28 bis 33 im Jahr 2026. Dieselbe Reihe zeigt 36 % für 2025 und 20 % für 2024. Nur 4 % sagten 2026, KI sei für sie kein Thema.

Bitkom hat noch eine zweite Umfragereihe mit anderen Werten. Die beiden Reihen lassen sich nicht mischen.

Das ifo Institut

In der Konjunkturumfrage vom Mai 2026 nutzten 54,5 % der Unternehmen KI in ihren Geschäftsprozessen. Im Vorjahr waren es 40,9 %. Die Stichprobengröße nennt ifo nicht.

Für den Barnim wichtig: Im Juli 2026 meldete ifo, dass in Ostdeutschland knapp zwei Fünftel der Unternehmen KI nutzen. Deutschlandweit ist es mehr als die Hälfte. Der Osten steht laut ifo etwa dort, wo der Westen ein Jahr vorher stand.

Kleine und große Betriebe

Unternehmen ab 10 Beschäftigten

Die amtlichen Zahlen für Deutschland 2025 nach Größe (Destatis, Eurostat):

  • 10 bis 49 Beschäftigte: 23 %
  • 50 bis 249 Beschäftigte: 36 %
  • ab 250 Beschäftigte: 57 %

Kleine Unternehmen holen schneller auf. Von 2023 bis 2025 hat sich ihr Anteil mehr als verdoppelt, von 9,7 % auf 23,1 %. Der Abstand zu den großen ist in Prozentpunkten trotzdem gewachsen: 2021 waren es 22 Punkte, 2025 waren es 34 Punkte (Eurostat-Datensatz isoc_eb_ai). Auch hier gilt der Hinweis zum Zeitreihenbruch ab 2025. Deutsche Kleinunternehmen liegen über dem EU-Schnitt für Kleinunternehmen, der 2025 bei 17,0 % lag.

Betriebe unter 10 Beschäftigten

Für Betriebe mit weniger als 10 Leuten gibt es keine amtliche Zahl. Die beste Quelle ist das KfW-Mittelstandspanel. Es wurde im Frühjahr 2025 erhoben und fragt nach KI-Nutzung in den Jahren 2022 bis 2024. Die Werte sind hochgerechnet.

  • unter 5 Beschäftigte: 19 %
  • 5 bis unter 10 Beschäftigte: 20 %
  • 10 bis unter 50 Beschäftigte: 29 %
  • 50 und mehr Beschäftigte: 36 %

Nach Branchen liegen wissensbasierte Dienstleistungen bei 28 %, der Bau bei 8 %. Am häufigsten nutzen Mittelständler KI, um Texte zu erzeugen (14 %) und Texte zu erkennen (10 %). Bei Betrieben unter 5 Beschäftigten sind es 13 % und 9 %.

Laut KfW entscheidet weniger die Größe. Wichtiger sind Digitalisierung, Know-how und Innovationstätigkeit. Die KfW hat das mit einer Modellrechnung für ein typisches Unternehmen geschätzt. Mit Digitalisierungsstrategie liegt die Wahrscheinlichkeit für KI-Nutzung bei 35 %, ohne Digitalisierungsaktivitäten bei 19 %. Ein Betrieb, der nur im Umkreis von 50 Kilometern arbeitet, liegt im Modell bei 14 %. Das zeigt einen Zusammenhang, keinen Beweis für Ursache und Wirkung.

Handwerk und Selbständige

Zwei weitere Umfragen zeigen, wie weit die Werte streuen. Stell sie nicht neben die amtliche Zahl, sie zählen andere Betriebe.

  • Handwerk: Bitkom hat im Sommer 2025 504 Handwerksbetriebe ab 1 Beschäftigtem befragt. 4 % nutzten KI, für 84 % war sie kein Thema. 35 % meinten aber, frühe Nutzer hätten einen Wettbewerbsvorteil. Die Zahl ist über ein Jahr alt. Eine neuere Handwerkszahl lag bei unserer Recherche nicht vor.
  • Selbständige und Kleinstunternehmen: Laut ifo (Pressemitteilung vom 16.06.2026) nutzen 51,2 % KI, im Vorjahr waren es 30,4 %. Die Stichprobengröße nennt ifo nicht.

Was kleine Betriebe bremst

Destatis hat Unternehmen gefragt, die KI erwogen, aber nicht eingeführt haben (Erhebung 2025). Kleine Unternehmen mit 10 bis 49 Beschäftigten nennen:

  • fehlendes Wissen: 73 %
  • Unklarheit über rechtliche Folgen: 64 %
  • Datenschutz: 60 %
  • zu hohe Kosten: 33 %

Bei Unternehmen ab 250 Beschäftigten sind es 67 %, 56 % und 26 % für Wissen, Recht und Kosten. Kosten nennen also deutlich weniger Betriebe als fehlendes Wissen. Es fehlt eher an Wissen und an Klarheit.

Deine Leute nutzen KI oft schon

Beschäftigte

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat im März und April 2026 knapp 5.000 Beschäftigte befragt. 2.793 davon nutzen KI im Beruf. Von diesen KI-Nutzern arbeiten 29,1 % mit Werkzeugen, die der Arbeitgeber nicht bereitgestellt hat. In Unternehmen unter 50 Beschäftigten sind es 33,5 %, ab 250 Beschäftigten 25,5 %. Bei den unter 30-Jährigen sind es 38,4 %.

Man nennt das Schatten-KI: KI-Nutzung, die der Betrieb nicht selbst eingerichtet hat. Laut IW heißt das nicht zwingend heimlich oder verboten. Oft hat der Betrieb einfach nichts angeboten.

Bitkom hat Anfang 2026 1.003 Menschen ab 16 Jahren befragt, darunter 550 Erwerbstätige. 48 % der Erwerbstätigen nutzen KI bei der Arbeit zumindest gelegentlich. 38 % sagen, ihr Unternehmen stelle ihnen eine KI bereit.

Betriebe

Die Unternehmen merken das. Bitkom hat 2025 604 Unternehmen ab 20 Beschäftigten gefragt. In 8 % ist die Nutzung privater KI-Zugänge weit verbreitet, in 17 % gibt es Einzelfälle, weitere 17 % vermuten es. Nur 29 % sind sicher, dass es nicht vorkommt.

Einen offiziellen Zugang zu KI-Assistenten geben dagegen wenige. Bei Unternehmen mit 20 bis 49 Beschäftigten sind es 21 %, ab 500 Beschäftigten 43 % (Bitkom 2025).

Verboten wird KI selten. Das Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hat im Frühjahr 2026 rund 1.500 Unternehmen befragt. Im Verarbeitenden Gewerbe stellen 30 % KI-Assistenten bereit, 23 % erlauben eigene, 39 % dulden sie ohne klare Regeln und 8 % verbieten sie.

Beim Schulen hat sich viel getan. Im Sommer 2026 schulten 70 % der Unternehmen ab 20 Beschäftigten ihre Leute zu KI. 25 % boten keine Schulung an, 2025 waren es noch 43 % (Bitkom).

Kunden

Auch deine Kunden kennen KI. Laut Bitkom nutzen 58 % der Menschen ab 16 Jahren KI, 34 % mindestens wöchentlich (Befragung Anfang 2026, 1.003 Personen). In einer Studie des Bayerischen Rundfunks vom Oktober 2025 hatten 82 % der 16- bis 69-Jährigen KI schon zur Informationssuche genutzt, 61 % regelmäßig. Befragt wurden 1.200 Menschen über ein Onlinepanel. Mitgezählt sind dabei auch KI-Zusammenfassungen in Suchmaschinen. Mehr dazu unter Gefunden werden.

Was das für dich heißt

Kleine Betriebe stehen je nach Messung irgendwo zwischen „kaum genutzt“ und „jeder Zweite“. Eine genaue Zahl für deinen Betrieb gibt keine Studie her. Einige Punkte lassen sich trotzdem festhalten.

  • Du betrittst kein Neuland. Auch unter kleinen Betrieben nutzt schon ein nennenswerter Teil KI. Du kannst von ihren Erfahrungen lernen.
  • Wissen ist der größere Engpass als Geld. Das sagen die amtlichen Zahlen. Ein guter Start ist deshalb, eine einzige Aufgabe auszuprobieren. Wie das geht, steht unter Erste Schritte. Wie du dranbleibst, steht unter Weiterlernen.
  • Vermutlich nutzt jemand in deinem Team KI schon. Frag nach, statt es zu verbieten. Leg dann gemeinsam fest, welche Werkzeuge und welche Daten erlaubt sind. Hilfe dazu findest du unter KI-Richtlinie und Datenschutz.
  • Du musst es nicht allein machen. Welche Wege es gibt, KI in den Betrieb zu bringen, steht unter Wer macht es. Kostenlose Anlaufstellen im Barnim und in Brandenburg findest du unter Unterstützung in der Region.

Die Zahlen auf dieser Seite haben den Stand 28.09.2026. Sie ändern sich schnell. Achte bei jeder Statistik, die du liest, auf die drei Fragen vom Anfang: Wer wurde gefragt, was zählt als Nutzung, und wann wurde gefragt?

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